Die Geschichte der Siegel

Die Geschichte der Siegel

Die ersten Anfänge der Umweltzeichen in Deutschland und womöglich auch weltweit sind bei dem Verband Demeter zu finden. „Der Demeter e.V. ist der älteste Bioverband in Deutschland. Schon seit 1924 bewirtschaften Demeter-Landwirte ihre Felder biodynamisch. […] Die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise geht auf Impulse Rudolf Steiners zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts auch Waldorfpädagogik und anthroposophische Heilweise initiierte.“ (Demeter e.V.. Pioniere der Bio-Branche, 28.01.2017) Demeter erstellte für die Produkte, die nach dessen Standards produziert wurden, ein Warenzeichen, welches seit 1927 in Deutschland Verwendung findet (vgl. Landmann, 1997: S. 56).

Zu Beginn der 70er Jahre rückte in Deutschland langsam der Umweltschutz und die Intensivierung der Umweltpolitik in den Vordergrund. Zu der Zeit wurden aber hauptsächlich produktbezogene Umweltschutzmaßnahmen ergriffen, wobei hauptsächlich ‘End-of-Pipe-Konzepte‘ vorherrschten. Dies bedeutet, dass versucht wurde, die festgelegten Emissionsstandards und die damit verbundenen Verfahrensstandards durch nachgeschaltete technische AnlagenFilteranlagen oder Kläranlagen einzuhalten, anstatt Umweltverschmutzung gar nicht erst entstehen zu lassen. So wurden die Standards zwar eingehalten, die Probleme aber nur verlagert, da zum Beispiel die Filter als oder der stark  kontaminierte Klärschlamm als Sondermüll anfielen (vgl. Landmann, 1997: S. 10).

Umweltsiegel

Die Vorstellung von Umweltsiegeln beinhaltet den ‘Blauen Engel’, ‘Europäische Umweltzeichen’, das ‘Bio-Siegel’,  das ‘EU-Bio-Siegel’, ‘Demeter’, ‘Bioland’ und viele weitere Siegel.

Sozialsiegel und Mischformen

Theoretisches Hintergrundwissen zu den Umwelt- und Sozialsiegeln

Die Begriffe sind nicht ganz eindeutig definiert, doch wir helfen mehr darüber zu erfahren.

Theoretisches Wissen

Theoretisches Hintergrundwissen zu den Umwelt- und Sozialsiegeln

Die Begriffe sind nicht ganz eindeutig definiert, doch wir helfen mehr darüber zu erfahren.

Ab Mitte der 80er Jahre stellen produktbezogene Umweltpolitiken das „Produkt“ als Verursacher verschiedener Umweltprobleme (Abfall, Ressourcenabbau, Energieverbrauch, Emissionen etc.) in das Zentrum des Interesses.

Landmann, 1997: S. 10

Unter dieser produktbezogene Umweltpolitik gewinnen „ nicht nur regulative Maßnahmen, wie z.B. Gefahrstoffverbote, sondern 5 auch freiwillige Maßnahmen, wie z.B. Umweltzeichen […] an Bedeutung.  eltweit werden werden ökologische Produktstandards erarbeitet“. (Bennett/ Verhoeve, 1994)  

Mit dieser Entwicklung erfolgte gleichzeitig ein Umdenken, weg von den nachsorgenden Umweltschutzmaßnahmen hin zu vorsorgenden Umweltschutzkonzepten .

Jänicke, 1993

Ein Vorreiter dieser freiwilligen Umweltzeichen ist das Siegel Blauer Engel‘, das „1978 auf Initiative des  Bundesministers des Inneren und durch den Beschluss der Umweltminister der Länder ins Leben gerufen“ wurde (Der Blaue Engel. Umweltzeichen mit Geschichte, 28.01.2017).

Der „Blaue Engel“ ist das älteste nationale Umweltzeichen und es wurde von vielen Ländern weltweit als Vorlage für die Entwicklung ihres eigenen Umweltzeichen genommen.

Landmann, 1997: S. 41

Europäisches Umweltzeichen

Nachdem dann Umweltsiegel auf Verbandsebene und später auf nationaler Ebene in Deutschland sowie auch in anderen Ländern wie Österreich, Frankreich, Spanien, Schweden und die Niederlande eingeführt wurden, „unterstützte das Europäische Parlament […] Bestrebungen für ein Europäisches Umweltzeichen. Der Rat forderte am 7.05.1990 die Kommission zu einem Vorschlag für ein gemeinschaftliches Umweltkennzeichnungssystem auf, das die Umweltverträglichkeit eines Produkts während dessen gesamten Lebensdauer erfassen sollte.“ (Landmann, 1996: S. 4) Das fertige Umweltzeichen der EU wurde dann am 23. März 1992 nach langer Vorbereitungszeit durch die Verordnung (EWG) Nr. 880/92 des Rates eingeführt (vgl. Landmann, 1996). Verschiedenste Produkte werden immer noch mit diesem Siegel ausgezeichnet, darunter zum Beispiel Textilien, Papierprodukte oder Elektrogeräte. Parallel zu dem europäischen Siegel existieren die nationalen Siegel jedoch weiter, da sie unter anderem unterschiedliche Kriterien betrachten.

Sozialsiegel

Parallel zu dem europäischen Umweltsiegel entwickelten sich auch allmählich die Sozialsiegel. Der 1991  gegründete Verein AG Kleinbauernkaffee e.V. wird 1992 in TransFair e.V. umbenannt […und] Geschäftsführer Dieter Overath stellt erstmals das TransFair-Siegel vor.“ (Fairtrade Deutschland. Chronik, 29.01.2017) Hierbei stehen nicht wie bei den Umweltsiegeln Emissionen oder Giftstoffe im Vordergrund, sondern der faire Handel, sichere Arbeitsbedingungen und ein festes Einkommen für Menschen aus Entwicklungsländern. Später einigten sich zum Zweck der Internationalisierung die 19 nationalen Siegelorganisation auf das heute noch aktuelle grün-blaue Fairtrade-Logo.

Ab den 2000er

Zur Jahrtausendwende wurde dann europaweit ein Augenmerk speziell auf landwirtschaftliche Produkte gelegt. Im März 2000 nahm die Europäische Kommission ein Logo mit der Aufschrift Ökologischer Landbau – EG- Kontrollsystem nach der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 (später in der (EG) 834/2007 überarbeitet) über die ökologische bzw. biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen bzw. biologischen Erzeugnissen an, welches Erzeuger auf freiwilliger Basis verwenden konnten, wenn Kontrollen ergeben haben, dass ihre Wirtschaftsweise und ihre Erzeugnisse den einschlägigen EU-Vorschriften entsprechen. Das Siegel hatte noch kein einheitliches Design und hatte unterschiedliche Versionen in den verschiedenen Mitgliedsstaaten. Kurz darauf wurde in Deutschland vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein nationales staatliches Bio-Siegel eingeführt. Das Bio-Siegel kennzeichnet Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau. Ziel ist die Förderung der biologischen Landwirtschaft über klar definierte gesetzliche Regelungen. Es ist auf freiwilliger Basis und auf Fleisch- und Milch-, Gemüse, Obst, Gewürzen, und Getreideprodukten zu finden (vgl. Siegelklarheit. Bio-Siegel (deutsch), 29.10.2017).

Zehn Jahre nach der Einführung des EU-Siegels für ökologischen Landbau wurde dieses 2010 durch ein einheitliches EU-Bio-Siegel ersetzt. Dieses besitzt vergleichbare Kriterien wie das deutsche Bio-Siegel und zeichnet auch die gleiche Produktgruppe aus. Abgesehen von den ökologischen Regelungen umfasst die EU-Ökoverordnung keine gesonderten sozialrechtlichen Regelungen (vgl. Siegelklarheit. EU-Bio-Siegel, 29.01.2017). Im Gegensatz zu dem deutschen Siegel ist jedoch seit dem 1. Juli 2012 durch die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau die Kennzeichnung vorverpackter Biolebensmittel mit dem EU-Bio-Logo, dem dazugehörigen Kontrollstellencode und einer allgemeinen Herkunftsangabe der Zutaten verbindlich vorgeschrieben (vgl. Ökolandbau. Bio-Siegel, 29.01.2017). 

Tierwohl ‘Vier Pfoten’ seit 2012

Erst vor relativ kurzer Zeit wurde in Deutschland dann auch das Tierwohl mit einem eigenen Siegel bedacht. Ab dem Jahr 2012 wurden von Verbänden wie die internationale Privatstiftung Vier Pfoten aus Österreich oder der ‘Deutsche Tierschutzbund e.V.’ Tierschutzsiegel etabliert. Die beiden Siegel sind sich sehr ähnlich (vgl. Vier Pfoten Deutschland. Tierschutz-Gütesiegel, 29.01.2017 und Deutscher Tierschutzbund e.V.. Tierschutzlabel, 29.01.2017). Die Medien stehen den Siegeln aber noch kritisch gegenüber, da sie noch keinen genügend großen Bekanntheitsgrad haben und nur sehr wenige Produzenten und ihre Produkte mit einem Siegel ausgezeichnet wurden.

Literaturverzeichnis:

  1. Landmann, Ute: Umwelt- und Verpackungszeichen in Europa. Instrumente produktbezogener Umweltpolitik, Einordnung und Charakterisierung von Umweltzeichen. Landsberg: ecomed Verlagsgesellschaft AG & Co. KG, 1997.
  2. Landmann, Ute: Das Europäische Umweltzeichen. Wege zum produktbezogenen Umweltschutz in Europa. Berlin: Umweltbundesamt, 1996.
  3.  Jänicke, M.: Umweltpolitik in Deutschland – Grundstruktur und Spezifika. Berlin: Manuskrkipt, 1993.

Internetquellen:

  1. Demeter e.V.. Pioniere der Bio-Branche, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von  https://www.demeter.de/organisation
  2. Der Blaue Engel. Umweltzeichen mit Geschichte, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von https://www.blauer-engel.de/de/der-blaue-engel/was-steckt-dahinter/umweltzeichen-mit-geschichte
  3. Fairtrade Deutschland. Chronik, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von https://www.fairtrade-deutschland.de/service/ueber-transfair-ev/chronik.html 
  4. Bundesregierung: Siegelklarheit. Bio-Siegel (deutsch), zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von https://www.siegelklarheit.de/Bio-c51
  5. Ökolandbau. Bio-Siegel, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von https://www.oekolandbau.de/bio-siegel/
  6. Vier Pfoten Deutschland. Tierschutz-Gütesiegel, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von http://www.vier-pfoten.de/themen/nutztiere/guetesiegel/
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