Umwelt- und Sozialsiegel

Theoretisches Hintergrundwissen zu Umwelt- und Sozialsiegeln

Die Begriffe ‘Umweltsiegel‘ und ‘Sozialsiegel‘ sind keine klar voneinander getrennte und auch nicht immer klar definierte Begriffe. Oft werden auch die Begriffe ‘Umweltzeichen’ und ‘Sozialzeichen’ benutzt oder auch die beiden Komponenten ‘Umwelt’ und ‘sozial’ in einem Begriff vereint. Es wird also auch von einem Umweltsiegel oder einem Umweltzeichen gesprochen, selbst wenn besagtes Zeichen sich eher auf die sozialen Standards bezieht. In diesem Beitrag werden aber Umweltsiegel und Sozialsiegel getrennt voneinander behandelt, um einen besseren Überblick zu bewahren.

Die Geschichte der Siegel schnell und gut verständlich durchlesen.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es bereits die älteste Siegelform der Umweltzeichen in Deutschland.

Die Vorstellung von Umweltsiegeln beinhaltet den ‘Blauen Engel’, ‘Europäische Umweltzeichen’, das ‘Bio-Siegel’,  das ‘EU-Bio-Siegel’, ‘Demeter’, ‘Bioland’ und viele weitere Siegel.

Die Sozialsiegel und Mischformen gewinnen immer mehr an Bedeutung in Deutschland und weltweit.

FairTrade, Naturland, V-Label, Tierschutzlabel,…

Das Umweltzeichen auf Produkten übermittelt dem Verbraucher eine Information, die eine Aussage im Zusammenhang mit der Natur […] beinhaltet.

Landmann, 1997: S. 8

Allgemein hat sich eine Definition durchgesetzt, die ihren Ursprung in der Zielsetzung des ersten nationalen Umweltzeichens, dem in Deutschland entstandenen „Blauen Engel“ hat. Demnach ist mit dem Begriff ‘Umweltzeichen’ eine spezielle Auszeichnung von Produkten, die im Vergleich zu anderen, dem gleichen Gebrauchszweck dienenden Produkten weniger umweltbelastend sind, verbunden (vgl. ebd.).

Das Wort umweltbelastend bezieht sich [hierbei] auf die Hauptprobleme der Umweltdiskussion, nämlich die Belastung der Biosphäre und damit Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts sowie den Verbrauch an Ressourcen. [Diese Definition] beschränkt sich daher in erster Linie auf räumliche und ökologische Inhalte

(ebd.)

Umweltsiegel können sich aber nicht nur auf Produkte, wie oben beschrieben, sondern auch auf Dienstleistungen beziehen. Beispiele hierfür gibt es auf dem Gebiet der Touristik oder der Bewirtschaftung von Hotels (vgl. ebd.).

Der Begriff ‘Sozialsiegel‘ wird wesentlich seltener als allein stehender Begriff gebraucht als der Begriff ‘Umweltsiegel’. Sozialsiegel übermitteln Informationen, die eine Aussage im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen der Produzentinnen und Produzenten beinhaltet. Eine Annäherung an eine Definition könnte der Satzung des Vereins ‘TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt e.V.’, welcher das Sozialsiegel ‘Fairtrade’ ins Leben gerufen hat, entnommen werden. Demnach geht es um „die Förderung und Stärkung des Handels zu fairen Bedingungen mit benachteiligten Produzentinnen und Produzenten […] und die Schaffung besserer Absatzmöglichkeiten für diese Produzentinnen und Produzenten […]. [Es soll] dazu beitragen, dass sich die Lebensbedingungen und wirtschaftliche Lage der vorgenannten Produzentinnen und Produzenten in ihren Ländern nachhaltig verbessern und dass ihre Eigenständigkeit und Selbstverantwortung gefördert werden. [Ein weiterer Aspekt ist] die Zahlung von […] Mindestoder Mehrpreisen gegenüber dem herkömmlichen Handel“ (Satzung des Vereins TransFair, 2015: S.1).

Engartner hat mögliche Kriterien für Umwelt- und Sozialsiegel wie folgt zusammengestellt:

SozialesÖkologieÖkonomie

keine gesundheitsschädigenden
Arbeits- und Produktionsbedingungen

ressourcenschonender Anbau

stabile Mindestpreise
(u. a. gegenüber Lieferanten)

keine Kinderarbeit

keine umweltschädlichen Substanzen

langfristige Handelsbeziehungen

Mitbestimmung der
Arbeitnehmerschaft

Förderung kontrolliert biologischen
Anbaus

Fairtrade-Prämie

Keine Diskriminierung

Verbot genetisch veränderter Organismen

„gerechte“ Entlohnung der Beschäftigten

Meinungs- und Versammlungsfreiheit

Wiederinstandsetzung der Natur
(z. B. Aufforstung)

Wahrung eines CorporateGovernanceKodex
(z. B. Korruptionsverbot)

Tabelle 1: Kriterien ethischen Konsums aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Perspektive (Engartner, 2011: S. 5)

Zu erwähnen seien hier auch ‘Tierschutzsiegel‘, bei denen es um eine artgerechte Haltung von Nutztieren geht. Tierschutzsiegel wie zum Beispiel das „VIER PFOTEN Gütesiegel “Tierschutzkontrolliert” kennzeichnet Produkte von Tieren, die unter besseren Bedingungen leben als in der konventionellen Tierhaltung“ (Vier Pfoten Deutschland. Tierschutz-Gütesiegel, 02.08.2018). Die Kriterien, die für den Erhalt der anspruchsvollsten Tierschutzsiegel gelten, gelten auch für vielen, aber nicht für allen Umweltsiegeln. Beispiele für die Kriterien sind zum Beispiel die maximale Gewichtszunahme pro Tag, die Anzahl an gehaltenen Tieren, den Tieren zur Verfügung stehenden Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten oder Auslaufmöglichkeiten. Die Richtlinien beziehen sich für gewöhnlich auf als Nutztiere gehaltene Hühner, Schweine und Kühe.

Charakteristika

Generell werden Umwelt-, Sozial- und Tierschutzsiegel als positive Kennzeichen angesehen. Die positive Deklaration steht im Gegensatz zu einer negativen, wie zum Beispiel der Gefahrenstoffkennzeichnung. 

Bei der Bewertung der Produkte haben die einzelnen Siegel unterschiedliche Systeme. „Manche Systeme beschränken sich auf die Betrachtung eines einzelnen Kriteriums, Ein-Kriterium-Ansatz, wie zum Beispiel die Recyclingfähigkeit, anhand dessen die Bewertung durchgeführt wird. Andere Systeme haben einen wesentlich komplexeren Anspruch und bedienen sich einer ganzheitlichen Betrachtung, die unter dem Namen Produkt. Ökobilanz […] bekannt ist, unter Einbeziehung des gesamten Lebensweges des Produktes“ (Landmann, 1997: S. 9). So wird zum Beispiel bei Textilien nicht nur der Anbau der Baumwolle kontrolliert, sondern auch die Faserherstellung, die Textilveredelung und Altkleiderverwendbarkeit, die Transportwege, etc. betrachtet.

Die Verleihung der Siegel an bestimmte Produkte basiert auf der Erfüllung festgelegter Qualitätsstandards. „Die für die Entscheidung der besseren Umweltverträglichkeit heranzuziehende Standards werden hier als Ökologische Produktstandards bzw. Ökologische Produktionsstandards bezeichnet. In diesen Standards werden Grenzwerte für bestimmte gesundheitsgefährdende oder umweltbelastende Produktinhaltsstoffe (z.B. Gift) oder umweltbelastende Produktionsdaten (z.B. Emissionen) festgelegt“ (ebd.). Auch die sozialen Standards spielen hierbei eine Rolle. Werden die festgelegten Grenzwerte eingehalten, so kann dem Produkt das entsprechende Siegel verliehen werden.

Möglichkeiten und Grenzen von Umwelt- und Sozialsiegeln

Viele Menschen müssen nicht mehr von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebensweise überzeugt werden. Das konsumethische Bewusstsein hat deutlich zugenommen, der ethische Konsum findet immer breitere Akzeptanz. Längst sind die Forderungen, Menschenrechte global zu respektieren, Kriterien der ökologischen Nachhaltigkeit zu beachten und die sozialen Existenzgrundlagen der weltweit eingesetzten Lohnarbeitskräfte durch faire Löhne und Arbeitsbedingungen zu gewähren in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer dann aber ethisch verantwortungsvoll konsumieren will, steht vor einem Problem: Es fehlt in der Regel jede Information über die ökologischen und sozialen Bedingungen der Herstellung. Dem wollen und können die Umwelt- und Sozialsiegel entgegenwirken. Sie bieten dem Konsumenten Informationen zu diesen Bedingungen um ihnen ethisch verantwortungsvolle Entscheidungen beim Kauf der Produkte zu ermöglichen. Der Konsum von Waren mit Umwelt- und Sozialsiegeln ist zu einem betriebs- wie volkswirtschaftlich relevanten Phänomen geworden. In Deutschland erzielte zum Beispiel der Verkauf von Fair-Trade-Produkten zuletzt von Jahr zu Jahr zweistellige Zuwachsraten. Solche Erfolge liegen größtenteils an einem erweiterte Pool an Lizenzpartnern sowie die fortlaufend gestiegene Zahl der Einkaufsorte (vgl. Engartner, 2011: S. 3f).

Aufgrund von fehlenden gesetzlichen Regulierung können Verbände, Initiativen und Unternehmen aber immer neue Siegel mit mehr oder weniger transparenten und strengen Standards herausgeben und vermarkten. Nicht selten stellen sich gar Hersteller selbst ein Gütesiegel für eigene Produkte aus, etwa als Maßnahme des Greenwashing. So kam es dazu, dass auf dem Deutschen Markt mittlerweile weit mehr als 1000 verschiedene Siegel existieren, welche ein neues Informationsproblem aufwerfen: Was bedeutet ein Siegel im Einzelnen konkret? (vgl. Engartner, 2011: S. 3) Vier von fünf Befragten geben an, sich durch die mehr als 1.000 Gütesiegel verwirrt zu fühlen (vgl. Willenbrock, 2011: S. 12). Internetportale wie Siegelklarheit.de, das von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde, oder Label Online von der VerbraucherInitiative e.V. bewerten Gütesiegel nach bestimmten Kriterien und wollen Verbrauchern so den Vergleich verschiedener Siegel ermöglichen. Ihr Ziel ist es, die Marktdurchdringung anspruchsvoller Siegel und die internationale Umsetzung hoher Umwelt- und Sozialstandards voranzutreiben (vgl. Siegelklarheit. Über uns, 03.02.2017). Den Anspruch der Siegel und ihre Glaubwürdigkeit in jedem Fall zu recherchieren ist jedoch zeitaufwendig und kann nicht immer unmittelbar beim Kauf geschehen. Die Skepsis der Verbraucher kann auch in anderen Gebieten entstehen. Es können Fragen aufkommen, wie zum Beispiel: Was bringt es, wenn eine Ware ökologisch vorteilhaft, aber in sozialer Hinsicht ungeprüft ist? Oder umgekehrt? Rechtfertigt die bessere warenethische Qualität den höheren Preis? Und wer garantiert dafür, dass der Aufpreis bei denen ankommt, denen er helfen soll? (vgl. Engartner, 2011: S. 3)

Literaturverzeichnis:

  1. Landmann, Ute: Umwelt- und Verpackungszeichen in Europa. Instrumente produktbezogener Umweltpolitik, Einordnung und Charakterisierung von Umweltzeichen. Landsberg: ecomed Verlagsgesellschaft AG & Co. KG, 1997.
  2. Satzung des Vereins TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt e.V., Köln: 25.06.2015.
  3. Engartner, Tim: Umwelt- und Sozialsiegel: Wie informativ und glaubwürdig sind sie? Essen/Hamburg: ethos, 2011.

Internetquellen:

  1. Vier Pfoten Deutschland. Tierschutz-Gütesiegel, zuletzt aufgerufen am 02.08.2018 von http://www.vier-pfoten.de/themen/nutztiere/guetesiegel/
  2. Bundesregierung: Siegelklarheit. Über uns, zuletzt aufgerufen am 03.08.2018 von https://www.siegelklarheit.de/ueber-uns/
traumhaus-und-garten.de